Ambientestory_Zwerge_1

“Modan und Durta” Teil 1

Der Kampf war beendet. Schwer atmend stand er da und verbeugte sich vor seinem Gegner. Er konnte es nicht fassen, wieder war er unterlegen. Nach so langer Zeit wirklich harten Trainings war er immer noch nicht in der Lage sie im Kampf zu schlagen. Zwerginnen waren ebenso gute Krieger wie die Männer, doch die meisten von ihnen kamen aus der Übung sobald sie einmal ein Kind geboren hatten, und dann waren sie leicht zu besiegen. Es waren schwere Zeiten angebrochen seit sie nicht mehr schürfen durften. In den letzten Jahrzehnten war auch die Geburtenrate so rapide gesunken. Und ein erschreckend hoher Anteil dieser wenigen Nachkommen waren Totgeburten, missgebildet oder behindert und mussten daher getötet werden. Als ob die verdammten Dämonen, die sich seit dieser Zeit in den Tunneln herumtrieben, nicht schon Problem genug wären. Kinder waren zum wichtigsten Gut ihrer Kultur geworden, denn sie sicherten den Fortbestand, und ihre Entwicklung stand an oberster Stelle. Fruchtbare Zwerginnen besaßen großes Ansehen – nur die besten Krieger konnten darauf hoffen von ihnen als Bettgefährte erwählt zu werden. Modan war ein starker und verdienter Kämpfer – er war der Liebhaber schon vieler Frauen gewesen und würde es auch in Zukunft sein.

Eigentlich gab es keinen Grund für ihn, unzufrieden zu sein, aber im Moment war er außer sich vor Zorn, konnte seine Rage nur schwer im Zaun halten. Er hasste es zu verlieren. Und er hasste es noch mehr gegen sie zu verlieren. Sie hatte ihn abgelehnt, wollte ihn nicht in ihrem Bett. Eine Unverschämtheit!

Mit praktisch jedem aus ihrer Kompanie hatte sie wenigstens einmal ihr Bett geteilt, nur mit ihm nicht. Dabei hatte er jeden von ihnen bereits in diesen Übungskämpfen geschlagen und war somit offiziell eine bessere Partie, doch sie weigerte sich. Er hatte sie sogar umworben und sie hatte nein gesagt.

Er sah sie an und sein Verlangen war ebenso groß wie sein Hass. Wie gern würde er ihr eine Lektion erteilen. Das hatte er vorgehabt. Monatelang hatte er intensiv ihren Kampfstil beobachtet, ihre Schwächen studiert und sich vorbereitet. Er hatte sich mit ihr messen wollen, ihr richtige Schmerzen zubereiten, um sie dann besiegt und gedemütigt zurückzulassen. Doch stattdessen stand sie siegreich vor ihm und bedankte sich für den guten Kampf. Am liebsten hätte er sich auf sie gestürzt und ihr das stumpfe Ende seiner Axt ins Gesicht gerammt, doch er beherrschte sich bis er seine Räumlichkeiten erreicht hatte.

Durta verbeugte sich und bemühte sich ihr Gegenüber trotz der Schmerzen anzulächeln. Nackte Mordlust blitzte ihr entgegen. Die Intensität schockierte sie, aber überrascht war sie nicht. Sie mochte Modan nicht, hatte ihn nie gemocht. Sie mochte weder Überheblichkeit, noch Machtmissbrauch oder Grausamkeit – das gehörte nicht zu einem wirklich großen Krieger. Alles drei jedoch hatte sie bei ihm schon beobachtet und damit hatte er ihren Respekt verloren. In diesem Übungskampf war er auf sie losgegangen, als wolle er sie ungespitzt in den Boden rammen; ihr tat alles weh. Er hatte die Kraft und Wut eines Bersekers an den Tag gelegt, auch war er noch besser geworden, aber er bewegte sich immer noch zu schwerfällig und sein Schwung kostete ihn zu viel Zeit. Seine Schlagkraft war allerdings enorm. Wo sie seine Hiebe abwehren musste, klapperten ihr die Zähne und alle Muskeln in ihren Armen schmerzten. Es hatte sie an ihre Grenzen gebracht, ihn zu schlagen. Das würde sie diesem aufgeblasenen Bastard gegenüber aber nicht zugeben, also biss sie die Zähne zusammen und vollzog den Abschiedsritus. Seine Miene verriet deutlich, dass es etwas Persönliches war und seine Niederlage heute es noch schlimmer gemacht hatte. Sie hatte das befürchtet, aber sie war eine Kriegerin! Auf gar keinen Fall würde sie einen Kampf absichtlich verlieren, wenn sie den Gegner schlagen konnte. Sollte er nur kommen, wenn er ein Problem hatte – sie würde ihm den Unsinn schon aus dem Leib prügeln, wie Zwerge das eben machten. Sie könnte ihn auch unter den Tisch saufen, aber sie wusste, es würde auf einen alles entscheidenen Kampf hinauslaufen.

Ambientestory_Zwerge_1

Die Ebenen von Agan Butzemann